Muslimanteil:

Gemeinden mit 10.000 oder mehr (Stand: 31.12.2009) Einwohnern:

Muslimanteil als  Anteil muslimischer Migranten aus 18 Herkunftsländern1

Die Anzahl muslimischer Migranten aus einem Herkunftsland wurde durch Multiplikation der im Zensus ermittelten Zahl der Migranten aus diesem Herkunftsland mit dem bundesweiten Anteil der Muslime an den Migranten aus diesem Herkunftsland2 errechnet. Aus den so erhaltenen Zahlen (ungerundet) für die 18 Herkunftsländer wurde anschließend die Summe gebildet, um diese zur Bevölkerung in Relation zu setzen.

Gemeinden mit unter 10.000 (Stand: 31.12.2009) Einwohnern:

a) Muslimanteil als Anteil muslimischer türkischer Migranten

Die Anzahl türkischer Migranten wurde durch Multiplikation der im Zensus festgestellten Zahl der türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit dem Quotienten aus der Zahl der türkischen Migranten und der Zahl der türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit im jeweiligen Landkreis errechnet. Das Ergebnis wurde mit dem bundesweiten Anteil der Muslime an den Migranten aus der Türkei multipliziert und das Produkt zur Bevölkerung in Relation gesetzt.

b) Muslimanteil als Anteil muslimischer türkischer Staatsangehöriger ohne deutsche Staatsangehörigkeit

Bei Gemeinden mit unter 100 türkischen Einwohnern ohne deutsche Staatsangehörigkeit wurde von einer Hochrechnung mit Hilfe der Landkreiszahlen abgesehen.4  In diesen Fällen wurde allein auf die Zahl der türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht auf die Zahl der türkischen Migranten) Bezug genommen. Diese Zahl wurde mit dem bundesweiten Anteil der Muslime an den Migranten aus der Türkei multipliziert5 und das Produkt zur Bevölkerung in Relation gesetzt.

 

1   18 Herkunftsländer:

Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indonesien, Türkei, Mazedonien, Albanien, Kosovo, Bosnien-Herzegowina

2   Der hier verwendete bundesweite Anteil der Muslime an den Migranten eines Herkunftslandes resultiert aus einer Schätzung auf der Grundlage verschiedener Veröffentlichungen und Informationen. Dazu gehören insbesondere die Studie des BAMF „Muslimisches Leben in Deutschland“ (2008), einzelne Ergebnisse der Volkszählung in der BRD 1987, die Ergebnisberichte von Befragungen durch die Institute „INFO GmbH“ und „Liljeberg International Research“ („Repräsentative Studie zum Integrationsverhalten von Türken in Deutschland“ – 2011, „Deutsch-Türkische Lebens- und Wertewelten 2012“ – 2012), der Report des Pew Research Center „The Global Religious Landscape“ (2012) und die Statistiken des BAMF zur Religionszugehörigkeit der Asylbewerber 2007-2011 („Asyl in Zahlen“ für die Jahre 2007 bis 2009, „Das Bundesamt in Zahlen“ für die Jahre 2010 und 2011).

Folgende Prozentwerte wurden eingesetzt:  95 (MAR, DZA, TUN, LBY, PAK), 90 (JOR, AFG, TUR, XXK), 85 (LBN), 80 (EGY), 60 (SYR, IRQ, IDN, ALB), 50 (IRN, BIH), 40 (MKD)

3   Infolge der Umgestaltungen auf dem Gebiet der früheren Bundesrepublik Jugoslawien entstand für die Migranten aus dem Kosovo in der BR Deutschland im Zensus eine starke Untererfassung, verglichen mit den Migranten aus den anderen Herkunftsländern (mit Ausnahme von Serbien und wohl auch von Montenegro, die weniger ins Gewicht fallen, da sie kleinere Anteile der Muslime aufweisen). Deshalb wurden in der Berechnung des Muslimanteils alle Zahlen des Zensus für Migranten aus dem Kosovo mit dem Faktor 1,5 multipliziert (Gleichverteilung und gleiche Religionszugehörigkeit der im Zensus erfassten und nicht erfassten Personen aus diesem Land unterstellt).

4  Auch bei Gemeinden in Landkreisen, in denen der Quotient aus der Zahl der türkischen Migranten und der Zahl der türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit die Zahl 3 übersteigt, wurde von einer Hochrechnung mit Hilfe der Landkreiszahlen abgesehen. Dies betrifft allerdings nur einen einzigen Fall (Auerbach i. d. OPf.).

5   Auf eine gesonderte Verwendung des bundesweiten Anteils der Muslime speziell an den türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit wurde hier verzichtet. Stattdessen wurde auch in diesen Fällen der bundesweite Anteil der Muslime an den Migranten aus der Türkei (90 Prozent) herangezogen.

 

Kritische Anmerkungen:

  1. Verengung durch Definition des Migrationshintergrundes

Nicht alle Personen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind, und ihre Nachkommen fallen in die beim Zensus verwendete Definition des Migrationshintergrundes. Kriterien sind Zuwanderung seit 1955 (eigene Zuwanderung oder die eines Elternteils) und das Fehlen der deutschen Staatsangehörigkeit [„Als Personen mit Migrationshintergrund werden alle zugewanderten und nicht zugewanderten Ausländer/-innen sowie alle nach 1955 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugewanderten Deutschen und alle Deutschen mit zumindest einem nach 1955 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugewanderten Elternteil definiert. Ausländer/-innen sind Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.“] Nicht erfasst, aber in diesem Zusammenhang bedeutsam sind damit insbesondere Kinder von nicht selbst zugewanderten Ausländern und Eingebürgerten sowie ihre Nachkommen, sofern sie deutsche Staatsangehörige sind.

  1. Fehlen kleiner Migranten-Zahlen

Der Zensus weist kleine Migranten-Zahlen nicht aus, wo seine auf Stichproben basierenden Berechnungen ein zu wenig belastbar erscheinendes Ergebnis liefern würden. Dies legt nahe, dass der tatsächliche Muslimanteil in den meisten Gemeinden höher liegt als hier berechnet. Die stärksten Abweichungen treten diesbezüglich auf bei Gemeinden mit kleinen Gruppen von Muslimen aus vielen verschiedenen Herkunftsländern. Betroffen sind wohl besonders Mittelstädte und kleinere Großstädte.

  1. Fehlen von Migranten-Zahlen für „sensible Sonderbereiche“

Für sogenannte „sensible Sonderbereiche“ [dazu zählen Krankenhäuser, Behinderten(wohn-)heime, (Not-)Unterkünfte Wohnungsloser, Justizvollzugsanstalten und Flüchtlingsunterkünfte sowie teilweise Mutter-Kind-Heime und Kinder- und Jugendheime] liegen keine Ergebnisse zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund vor. Dies kann dazu führen, dass der reale Muslimanteil von den Berechnungen abweicht, insbesondere im Zusammenhang mit Justizvollzugsanstalten und Flüchtlingsunterkünften, wo der Muslimanteil überproportional hoch ist.

  1. Verzerrungen bei Personen mit Eltern unterschiedlicher Herkunft

Schwierigkeiten entstehen bei der Zuordnung deutscher Staatsangehöriger, deren Eltern aus verschiedenen Ländern zugewandert sind. Der Zensus ordnet diese Personen dem Herkunftsland der Mutter zu. Dies dürfte zu Verzerrungen bei der Berechnung der Anzahl der Muslime führen, primär dann wenn ein Elternteil aus einem der 18 hier relevanten Herkunftsländer und der andere Elternteil aus einem sonstigen Land zugewandert ist. In dieser Personengruppe legen von islamischer Seite her der Umstand des Eheverbots muslimischer Frauen mit Nicht-Muslimen und das Verständnis, dass die Kinder eines muslimischen Vaters (unabhängig von der Religion der Mutter) Muslime sind/zu sein haben, eine Unterschätzung der Zahl der Muslime nahe.

Probleme hinsichtlich der religiösen Zuordnung werfen auch deutsche Staatsangehörige mit einseitigem Migrationshintergrund auf (nur ein Elternteil ist zugewandert – in diesem Zusammenhang aus einem der 18 hier relevanten Herkunftsländer). Diese Personen gelten als Migranten und werden dem Herkunftsland des zugewanderten Elternteils zugeordnet. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Anteil der Muslime in den meisten dieser Teilgruppen nicht identisch ist mit dem Anteil der Muslime an allen Migranten aus den entsprechenden Herkunftsländern. Diesbezüglich kann eine Überschätzung der Zahl der Muslime vermutet werden.

  1. Übertragung bundesweiter Verhältnisse auf die Gemeinde-Ebene

Die Berechnung des Muslimanteils in den Gemeinden erfolgt unter Verwendung der bundesweiten Anteile der Muslime an den Migranten der verschiedenen Herkunftsländer. Die religiöse Zusammensetzung vor Ort kann sich –mitunter deutlich – von den Gegebenheiten bundesweit unterscheiden. Größere Abweichungen (Überschätzungen des Muslimanteils) können insbesondere in bestimmten Gemeinden mit einem hohen Anteil von Nicht-Muslimen unter den türkischen Migranten auftreten. [Erwähnt seien hier in Niedersachsen Delmenhorst und Celle, in Nordrhein-Westfalen Gütersloh, Harsewinkel und Rheda-Wiedenbrück, in Hessen Butzbach, Pohlheim und Bebra, in Baden-Württemberg Göppingen, Pfullendorf, Bietigheim-Bissingen, Kirchardt und Leimen sowie in Bayern Füssen und Ochsenfurt.]

  1. Schwache Datengrundlage bei Gemeinden mit unter 10.000 Einwohnern

Bei Gemeinden mit unter 10.000 Einwohnern ist die Datenbasis deutlich schlechter als bei Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern. Zum einen konnten bei den Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern nur Angaben zur türkeistämmigen Bevölkerung (die am 9. Mai 2011 wohl rund zwei Drittel der Muslime bundesweit stellte) herangezogen werden (Die vorliegenden Zahlen zu Bosnien-Herzegowina wurden aufgrund ihrer geringen Größe und der religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung aus BIH nicht berücksichtigt). Zum anderen betrafen diese Angaben nur die türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, nicht auch die Migranten.

Um Zahlen für türkische Migranten auch für Gemeinden mit unter 10.000 Einwohnern zu erhalten, wurde das auf Landkreis-Ebene bekannte Verhältnis zwischen türkischen Migranten und türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit auf die Gemeinden übertragen. Daher sind die Zahlen weniger zuverlässig.

Bei Gemeinden mit weniger als hundert türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit wurde deshalb auf die Berechnung der Zahl der türkischen Migranten verzichtet. Hier bezieht sich der ermittelte Muslimanteil nur auf die muslimischen türkischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Damit wurde jedoch in Kauf genommen, dass der Muslimanteil in sehr vielen kleinen Gemeinden deutlich zu niedrig eingestuft wird, was insbesondere die Zahl derjenigen Gemeinden stark reduziert, die dem Bereich mit einem Muslimanteil von 3 bis unter 5 Prozent zugeordnet werden – vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern.

  1. Begrenzung auf ausgewählte Herkunftsländer

Aufgenommen in die Berechnung des Muslimanteils sind nur muslimische Migranten aus 18 Herkunftsländern. Nicht berücksichtigt sind sowohl Muslime aus anderen ausländischen Staaten [insbesondere in Afrika südlich der Mittelmeeranrainerstaaten, auf der arabischen Halbinsel, auf dem Gebiet der früheren UdSSR, in Ost- und Südostasien (mit Ausnahme Indonesiens), in West- und teilweise in Südosteuropa] als auch Muslime ohne Migrationshintergrund (Konvertiten).

  1. Dunkelfeld Illegalität

Außen vor bei der Berechnung des Muslimanteils sind außerdem muslimische Migranten, die sich zwar dauerhaft in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten, jedoch nicht registriert sind.

  1. Nicht-Erfassung der Dynamik

Der Muslimanteil gibt keine Auskunft über Fertilität. Mortalität und Wanderungsgeschehen bei der muslimischen Bevölkerung in der BRD.

Vor allem durch die extrem hohe Zuwanderung  seit 2013 hat sich die muslimische Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Zensus 2011 stark vergrößert.

Folgen dieses Zuzugs sind neben der Veränderung ihrer ethnischen Struktur wahrscheinlich auch ihre Verjüngung und ein Anstieg bei ihrer Fertilitätsrate. Hinsichtlich des Altersaufbaus und der Zusammengefassten Fruchtbarkeitsziffer bestanden bereits vor dem Jahr 2013 deutliche Unterschiede zwischen muslimischer und nicht-muslimischer Bevölkerung in der BRD. [Stand März 2017]

 

Die Zahlen für die Gemeinden mit mindestens 10.000 Einwohnern hier:

https://kartenseite.wordpress.com/2017/04/05/muslime-in-deutschland-2011-zahlen-fuer-die-gemeinden-mit-mindestens-10-000-einwohnern/

 

 

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